046 - Bin ich hier noch richtig? Wenn du zwischen Bleiben und Gehen feststeckst

Shownotes

Bin ich hier noch richtig?

Die Frage kommt oft ganz leise.

Nicht unbedingt mitten im Streit.

Vielleicht an einer roten Ampel.

Beim Zähneputzen.

Auf einer Hochzeit, während zwei Menschen sich etwas versprechen, das ihr euch auch einmal versprochen habt.

Und plötzlich ist sie da:

„Bin ich hier noch richtig?“

Vielleicht verschwindet sie genauso schnell wieder.

Aber du kennst sie jetzt.

Und möglicherweise kennst du sie schon viel länger, als irgendjemand um dich herum ahnt.


Wenn niemand weiß, was wirklich in dir passiert

Nach außen funktioniert ihr.

Die Kinder werden versorgt.

Der Müll steht am richtigen Tag draußen.

Ihr plant Termine.

Ihr bekommt Besuch.

Ihr lacht sogar zusammen.

Und vielleicht sagt jemand nach einem gemeinsamen Abend:

„Ihr zwei seid echt ein gutes Team.“

Nur weiß niemand, was währenddessen in dir passiert.

Vielleicht rechnest du längst.

Was würde eine Wohnung kosten?

Wie würden die Kinder reagieren?

Wer würde wo wohnen?

Wie wäre ein Leben ohne diese Beziehung?

Und am nächsten Morgen schmierst du Brote und fragst deinen Partner, wann er heute nach Hause kommt.

Du bist da.

Und gleichzeitig ein Stück nicht mehr.


Die Einsamkeit liegt manchmal nicht im Zweifel

Sie liegt darin, dass niemand davon weiß.

Viele Menschen sprechen die Frage lange nicht aus, weil sich allein das Aussprechen schon wie ein Schritt Richtung Trennung anfühlt.

Solange der Gedanke nur in deinem Kopf existiert, scheint noch nichts passiert zu sein.

Doch genau dort kann er jahrelang Kreise ziehen.

Manche Partner erfahren deshalb erst von der Krise, wenn die Entscheidung innerlich längst gefallen ist.

Und plötzlich erfährt einer der beiden die vielleicht wichtigste Information der gemeinsamen Beziehung als Letzter.


Zwei Ängste halten dich gleichzeitig fest

Wenn du über Trennung nachdenkst, gibt es oft nicht nur die Angst vor dem Gehen.

Da ist die Wohnung.

Das Geld.

Die Kinder.

Die Familie.

Das Alleinsein.

Vielleicht auch die Frage:

„Wie fange ich mit 45, 50 oder 55 noch einmal neu an?“

Doch gleichzeitig existiert eine zweite Angst:

die Angst vor dem Bleiben.

Die Vorstellung, in zehn Jahren noch am selben Tisch zu sitzen.

Dieselben Gespräche.

Dieselbe Stille.

Dieselbe Frage.

„War das jetzt alles?“

Wenn beide Ängste gleichzeitig wirken, entsteht Stillstand.

Nicht weil du dich entschieden hast.

Sondern weil du dich nicht entscheiden kannst.


Ambivalenz ist keine Schwäche

Wir leben in einer Zeit, in der überall Klarheit verlangt wird.

„Entscheide dich.“

„Steh zu dir.“

„Wenn es dir nicht guttut, geh.“

Aber Beziehungen sind manchmal komplizierter.

Du kannst gleichzeitig sehen, was fehlt und was noch vorhanden ist.

Du kannst deinen Partner lieben und trotzdem zweifeln.

Du kannst Angst davor haben zu gehen und ebenso große Angst davor, zu bleiben.

Das ist keine Charakterschwäche.

Es ist Ambivalenz.

Und sie kann dich sogar davor schützen, dein gesamtes Leben aus der Stimmung eines schlechten Sonntagabends heraus zu entscheiden.

Aber:

Ambivalenz darf ein Durchgangsraum sein. Sie sollte kein jahrelanges Wartezimmer werden.


Denn Warten kostet

Nicht nur eure Beziehung.

Vielleicht schläfst du schlechter.

Vielleicht bist du gereizter.

Vielleicht bekommen die Kinder etwas davon ab, obwohl sie mit dem eigentlichen Thema nichts zu tun haben.

Vielleicht lässt deine Konzentration im Beruf nach.

Und manchmal passiert etwas noch Leiseres.

Du wirst kleiner.

Du schlägst weniger vor.

Du sprichst bestimmte Dinge nicht mehr an.

Du vermeidest Gespräche, weil sie Kraft kosten.

Du wirst pflegeleicht im eigenen Leben.

Und irgendwann fragt dich jemand:

„Was möchtest du eigentlich?“

Und du merkst, dass du die Antwort nicht mehr sofort kennst.


Bleiben oder gehen sind nicht die einzigen Möglichkeiten

Vielleicht siehst du gerade zwei Türen.

Hinter der einen steht:

Bleiben.

Hinter der anderen:

Gehen.

Doch es gibt noch eine dritte Möglichkeit:

Du kannst bleiben und aufhören, so zu bleiben wie bisher.

Das ist etwas anderes als weiteres Abwarten.

Du kannst dich bewusst für einen überschaubaren Zeitraum entscheiden, in dem ihr wirklich hinschaut.

Nicht heimlich.

Nicht nur in deinem Kopf.

Sondern gemeinsam.

Die Dinge, die seit Jahren zwischen euch liegen, kommen auf den Tisch.

Dein Partner erfährt, wie ernst es tatsächlich ist.

Und ihr schaut, ob Bewegung möglich ist.

Wenn sich danach nichts verändert, hast du etwas, das dir vorher gefehlt hat:

eine Entscheidung auf Grundlage von Erfahrung und nicht nur von Vermutung.


Was hast du über das Bleiben gelernt?

Lange bevor du deine erste eigene Beziehung hattest, hast du beobachtet, wie Beziehung funktioniert.

Vielleicht kommst du aus einer Familie, in der zusammengeblieben wurde.

Ganz egal, wie schlecht es zwischen zwei Menschen aussah.

Dann kann tief in dir ein Satz sitzen:

„Bei uns geht keiner.“

Vielleicht kommst du aus einer Familie, in der eine Beziehung zerbrochen ist.

Du hast erlebt, was danach passiert ist.

Dann könnte ein anderer Satz in dir leben:

„Bei uns hält nichts.“

Oder du kennst dieses dritte Modell:

Zwei Menschen bleiben zusammen.

Kein großer Streit.

Keine Trennung.

Nur ein jahrzehntelanger Waffenstillstand mit gedecktem Küchentisch.

Dann kennst du vielleicht beide Ängste gleichzeitig:

die Angst zu gehen und die Angst, genauso zu enden.

Diese alten Sätze entscheiden nicht über deine heutige Beziehung.

Aber sie sitzen manchmal mit am Tisch, wenn du versuchst, eine Antwort zu finden.


Eine wichtige Grenze

Diese Folge spricht über Beziehungen, in denen zwei Menschen sich verloren haben, schweigen, zweifeln oder nicht mehr wissen, wie es weitergehen soll.

Wenn du jedoch Angst vor deinem Partner hast, körperliche Gewalt erlebst, systematisch erniedrigt oder bedroht wirst oder eine Sucht euer Zuhause beherrscht, geht es nicht darum, geduldig an eurer Beziehung zu arbeiten.

Dann hat dein Schutz Vorrang.

Bitte hol dir in einer solchen Situation Unterstützung von außen.


Die vielleicht wichtigste Frage dieser Folge

Weiß dein Partner, wie ernst es wirklich steht?

Nicht:

Weiß er, dass ihr gerade Probleme habt?

Nicht:

Hat er gemerkt, dass du unzufrieden bist?

Sondern:

Weiß er, dass du darüber nachdenkst zu gehen?

Denn solange dein Partner glaubt, ihr hättet einfach eine schwierige Phase, verteidigt er vielleicht einen Zustand, von dem er gar nicht weiß, dass er für dich längst kaum noch auszuhalten ist.

Du kannst nicht erwarten, dass jemand auf eine Information reagiert, die er nie bekommen hat.


Und wenn du auf der anderen Seite sitzt?

Vielleicht bist du derjenige, der eines Tages hört:

„Ich weiß nicht mehr, ob ich mit dir zusammenbleiben möchte.“

Und du denkst:

Wie kann das sein?

Ich habe doch alles gemacht.

Ich habe gearbeitet.

Das Haus bezahlt.

Die Kinder gefahren.

Mich gekümmert.

Vielleicht war genau das deine Sprache für:

„Ich bin da.“

Und niemand hat dir gesagt, dass dein Partner inzwischen eine andere Sprache braucht.

Das ist keine Anklage.

Vielleicht hat dir nie jemand gezeigt, wie solche Gespräche gehen.

Vielleicht deinem Vater auch nicht.

Und dessen Vater ebenso wenig.

Irgendwo endet diese Kette.

Vielleicht bei euch.

Eine kleine Frage kann der Anfang sein:

„Wie geht es dir wirklich mit uns?“

Und dann zwei Minuten zuhören.

Ohne Erklärung.

Ohne Verteidigung.

Ohne sofort eine Lösung zu liefern.


Nicht jede Beziehung bleibt bestehen

Und das ist wichtig.

Das Ziel einer ernsthaften Auseinandersetzung mit eurer Beziehung kann nicht sein, um jeden Preis zusammenzubleiben.

Manche Paare finden wieder zueinander.

Andere stellen nach ehrlicher gemeinsamer Arbeit fest:

Es trägt nicht mehr.

Aber auch darin kann ein Unterschied liegen.

Eine Trennung, bei der beide wissen, worüber sie entscheiden, ist etwas anderes als eine Trennung nach Jahren des Schweigens, in der einer innerlich längst gegangen ist und der andere davon nichts wusste.

Das Ziel ist nicht:

Ihr müsst zusammenbleiben.

Das Ziel ist:

Ihr solltet wissen, worüber ihr entscheidet.


Dein erster Schritt

Wenn du die Frage

„Bin ich hier noch richtig?“

schon länger mit dir herumträgst, muss dein erster Schritt noch keine Entscheidung sein.

Vielleicht besteht er zunächst nur darin, dass diese Frage aufhört, ein Geheimnis zu sein.

Dass du sie aussprichst.

Dass jemand sie hört.

Und dass du nicht mehr alleine damit im Kreis läufst.

Wenn du darüber mit mir sprechen möchtest, kannst du einen kostenfreien ersten Anruf vereinbaren.

15 Minuten.

Ohne Verpflichtung.

Ohne dass du vorher schon wissen musst, ob du bleiben oder gehen möchtest.

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Transkript anzeigen

00:00:01: Paar Post inspirierende Beziehungsgeschichten, ein Podcast mit Michael Lame.

00:00:07: Hier hörst du echte Geschichten, ehrliche Gedanken und Impulse die Nähe neu erlebbar machen für deinen Alltag deine Liebe und eure gemeinsame Zukunft.

00:00:22: Die Frage kommt selten in einem großen Moment.

00:00:25: sie kommt an der roten Ampel beim Zähne putzen Auf einer Hochzeit, wenn zwei Menschen sich versprechen was ihr euch auch mal versprochen habt.

00:00:35: Sie ist kurz und leise...und sofort wieder weg!

00:00:40: Bin ich hier noch richtig?

00:00:44: Vor zwei Wochen ging es um die Woche nach dem Urlaub.

00:00:46: heute geht es um eine Frage die manchmal aus diesen Wochen zurück bleibt Hallo schön dass du dabei bist.

00:00:52: Heute gehts um das Bleiben und das Gehen Und darum was zwischen diesen beiden Möglichkeiten liegt Ein Raum, in dem viel mehr Menschen sitzen als je darüber sprechen.

00:01:05: Ich habe im Laufe der Jahre gelernt wie lange Menschen diese Frage mit sich rumtragen bevor sie sie zum ersten Mal aussprechen.

00:01:13: Zwei Jahre sind normal – vier Jahre kommen auch vor.

00:01:16: Manche sagen den Satz zum allerersten mal in einem Raum indem ein Fremder ihn gegenüber sitzt, den Sie seit zwanzig Minuten kennen.

00:01:25: Der Freundin gegenüber wird es anders formuliert.

00:01:28: Da heißt das Bei uns ist gerade viel los, wir hatten eine schwierige Phase.

00:01:33: Er hat viel Stress im Job.

00:01:36: Das sind die Lautensetzer.

00:01:39: Sie sind wahr genug um niemanden zu beunruhigen.

00:01:43: Der andere Satz allerdings der leise klingt eher so Ich weiß nicht mehr ob ich hier noch richtig bin Und dieser Satz bekommt keine Luft weil das Aussprechen sich schon anfühlt wie ein halber Schritt zur Tür.

00:01:59: Solange du ihnen denkst es dir ein Gedanke Sobald du ihn sagst, ist er in der Welt und Sätze die in der welt sind lassen sich nicht mehr zurücknehmen.

00:02:10: Das weiß jeder der schon mal einen gesagt hat den er nachher nicht mehr einholen kommt.

00:02:17: also bleibt der Satz da wo erscheinbar niemandem schadet in dir und richtet dort in aller Ruhe an was er anrichtet.

00:02:29: Es gibt einen guten Grund für dieses Schweigen und er hat nichts mit Feigheit zu tun.

00:02:34: Wenn du deiner besten Freundin sagst, dass du übers Gehen nachdenkst verändert das etwas.

00:02:41: Sie wird ab diesem Tag anders auf euch schauen.

00:02:44: sie wird bei jedem Familienessen mit denken was sie weiß Und wenn ihr in zwei Jahren immer noch zusammen seid und glücklich hängt dieser Satz trotzdem im Raum.

00:02:54: also behältest Du ihn und trägst ihn allein.

00:02:59: Genau das macht diese Phase so einsam, nicht das Zweifeln selbst.

00:03:04: Das Zweifel ohne einen einzigen Menschen der davon weiß.

00:03:08: Manche erzählen es ihrem Partner deshalb erst dann wenn die Entscheidung längst gefallen ist und der andere fällt aus allen Wolken weil er zwei Jahre neben jemandem gelebt hat, der innerlich Abschied genommen hat.

00:03:25: Ohne dass er die Chance bekam etwas davon mitzubekommen.

00:03:31: Das ist eine der bittersten Konstellationen, die mir in meiner Arbeit mit Paaren begegnen – zwei Menschen, die sich lange nahe waren und einer davon erfährt die wichtigste Information ihrer gemeinsamen Geschichte als Letzter.

00:03:49: Von außen sieht dieser Zustand erst mal nach nichts aus.

00:03:53: Ihr funktioniert!

00:03:55: Der Müll steht am Dienstag draußen, der Elternabend wird aufgeteilt.

00:03:59: Ihr sagt Tschüss und bis später und meint das auch so.

00:04:02: Am Sonnestag kommt Besuch, es wird gelacht und auf der Heimfahrt sagt er Besuch im Auto – die beiden sind schon ein gutes Team!

00:04:12: Innen allerdings läuft da etwas anderes mit….

00:04:16: Du rechnest.

00:04:18: Im Supermarkt bekommt du die Milch in den Wagenstells, rechnerst du was deine kleine Wohnung in eurer Gegenkostet?

00:04:26: Auf der Autobahn überlegst du, wie die Kinder es aufnehmen würden und wer welches Zimmer bekommt.

00:04:32: Auf einer Feier schaust Du ein paar an, zwei Tische weiter und denkst So reden wir schon lange nicht mehr Und am nächsten Morgen schmierst Du Brote und sagst das ist heute wieder spät wird.

00:04:47: Das ist eine seltsame Art zu leben!

00:04:50: Du bist da und bist es nicht.

00:04:53: Du führst zwei Leben und in dem einen bist du ganz allein.

00:04:58: Was daran am meisten Kraft kostet, ist die Übersetzungsarbeit.

00:05:02: Jeden einzelnen Tag musst du das was in dir läuft, in etwas übersetzen, dass am Abend pro Tisch niemanden erschreckt.

00:05:13: Du schaffst das!

00:05:14: Du scharfst es seit Monaten – und keiner merkt das.

00:05:20: Nur bleibt für alles andere irgendwann kaum noch etwas übrig….

00:05:25: Bei vielen kommt diese Frage im Spätsommer hoch und häufig mit einer bestimmten Beobachtung dahinter.

00:05:31: Im Urlaub hat alles funktioniert, nicht großartig aber es war leichter!

00:05:36: Er hat gelacht, er hatte einen guten Abend an einem Nachmittag war da wieder etwas von früher und dann kommt ihr zurück und nach drei Wochen ist alles wie vorher.

00:05:51: Daraus ziehen die meisten den einen von zwei möglichen Schlössen und beide sind zu schnell.

00:05:57: Der eine lautet, seht ihr es liegt am Alltag!

00:06:00: Wir brauchen nur mehr Zeit füreinander.

00:06:02: das beruhigt und es verschiebt die Frage aus nächster Jahr.

00:06:07: Der andere lautet wenn wir es nicht mal nach zwei guten Wochen schaffen ist es vorbei.

00:06:14: Das klingt konsequent und übersieht wie viel Kraft es kostet aus einem eingefahrenen Alltag herauszukommen.

00:06:21: Was der Urlaub tatsächlich geliefert hat ist etwas nüchterneres.

00:06:25: Er hat dir gezeigt, dass unter der Erschöpfung noch was liegt.

00:06:30: Was er nicht beantwortet hat, ist die Frage ob ihr an dieses etwas herankommt während das Leben weiterläuft?

00:06:39: Diese Frage lässt sich beantworten in zwei Ferienwochen allerdings nicht.

00:06:45: und noch etwas hat dieser Urlaub gezeigt, das leicht untergeht.

00:06:50: Ihr wart zwei Wochen ohne die Aufgaben, die euch sonst voneinander fernhalten und ihr habt am ersten Tag nicht sofort gewusst was ihr miteinander anfangen sollt.

00:07:00: Der Nachmittag am Meer war stiller als du erwartet hattest.

00:07:03: erst nach vier fünf Tagen kam etwas in Gang.

00:07:07: Das sagt nichts über eure Liebe.

00:07:10: Es sagt etwas darüber wie lange ihr schon nebeneinander lauft.

00:07:17: Wenn ich Menschen in dieser Phase zuhöre arbeiten in ihnen zwei Ängste auf einmal.

00:07:23: Die eine ist die Angst vor dem Gehen, vor der Wohnung, vor dem Geld, vor den Gesichtern der Kinder.

00:07:30: Vor dem Blick der Schwiegermutter – vor dem eigenen Vater, der immer gesagt hat das Ehe Arbeit ist!

00:07:36: Vor dem Alleinsein mit siebenundvierzig.

00:07:40: Die andere ist die Angst vor dem Bleiben.

00:07:43: Vor der Vorstellung in zehn Jahren am selben Tisch zu setzen mit denselben Setzen in derselben Stille.

00:07:51: Vor den Gedanken dass das dann alles war?

00:07:56: Beide Ängste sind ernst zu nehmen und weil sie sich exakt gegenseitig blockieren, entsteht dieser Zustand in dem sich seit Monaten nichts bewegt.

00:08:07: Du wachst morgens auf und denkst heute rede ich mit ihm.

00:08:12: Abends kommt er müde nach Hause und du denkst ähm... Heute nicht!

00:08:18: So vergeht ein Jahr so vergehen fünf.

00:08:23: Das Tüklische an diesem Stillstand ist, dass er von außen wie eine Entscheidung aussieht.

00:08:28: Wer nichts tut hat sich fürs Bleiben entschieden – so wird es gelesen von den Freunden und der Familie manchmal auch vom Partner.

00:08:37: Von innen weißt du es besser!

00:08:39: Da ist überhaupt nichts entschieden….

00:08:41: da ist nur ein Tag an dem Nächsten geknüpft.

00:08:48: An dieser Stelle möchte ich etwas gegen den Zeitgeist sagen... In allem, was du gerade über Beziehungen liest und hörst kommt eine Aufforderung vor.

00:08:57: Sei klar!

00:08:58: Treff eine Entscheidung.

00:09:00: Steh zu dem, was Du willst.

00:09:05: Und dann sitzt du da und bist alles andere als klar... ...und fühlst dich zusätzlich auch noch schwach durch die Sprüche von außen,... ...durch das, was dir davon der Gesellschaft vorgegeben wird.

00:09:22: Ambivalenz ist keine Charakterschwäche.

00:09:25: Sie ist der ehrliche Zustand eines Menschen, der zwei Dinge auf einmal sieht.

00:09:31: Was hier fehlt und was hier ist.

00:09:36: Sie hat sogar einen Sinn!

00:09:38: Sie schützt dich vor einer Entscheidung die du aus einer Stimmung heraus drisst und in zwei Jahren bereust.

00:09:45: Wenn nach einem schlechten Wochenende zum Anwalt geht entscheidet über sein Leben mit dem Gefühlsstand eines Sonntagabends.

00:09:55: Was diese Ambivalenz allerdings braucht, ist eine Richtung.

00:09:58: Sie darf ein Durchgangsraum sein.

00:10:01: Ein Dauerzustand über Jahre kostet dich mehr Kraft als jede Entscheidung die du am Ende treffen würdest Und was es kostet sieht selten nach Beziehung aus.

00:10:13: Es sieht aus wie Schlaf der nicht mehr trägt Wie eine Gereizteil die deine Kinder abbekommen Obwohl sie damit nichts zu tun haben Wie einen Nacken der seit anderthalb Jahren hart ist und der Physiotherapeut fragt, ob du gerade viel Stress hast.

00:10:29: Und du sagst – geht so!

00:10:33: Es sieht aus wie Konzentrationen die im Job nachlässt und du erklärst dir das mit dem Alter.

00:10:41: Das leiseste daran ist etwas anderes Du wirst kleiner.

00:10:46: Das geschieht über Monate in winzigen Schritten.

00:10:49: Du hast auf, Dinge vorzuschlagen weil ein Vorschlag an Gespräch auslösen könnte und für einen Gespräch hast du heute keine Kraft.

00:11:00: Du hast auch dich zu ärgern Weil Ärger Energie braucht!

00:11:04: Du machst dich pflegeleicht im eigenen Leben in deiner eigenen Küche Und irgendwann sitzt dir jemand gegenüber der dich fragt was du eigentlich möchtest und du merkst dass du die Antwort nicht mehr parat hast.

00:11:21: Nicht weil sie weg wäre, sie ist da nur hat sie seit Jahren keiner mehr abgefragt – dich eingeschlossen.

00:11:28: Deshalb werde ich bei diesem Thema unruhig wenn jemand zu mir sagt Ich warte noch ein Jahr.

00:11:36: Ein Jahr ist eine sehr lange Zeit wenn Du sie im Wartezimmer verbringst.

00:11:43: Bleiben oder gehen klingt nach zwei Türen.

00:11:46: Die meisten Menschen, die mit dieser Frage zu mir kommen sehen genau diese zwei.

00:11:51: Und sie stehen davor wie vor einer Prüfung, die sie bestehen müssen.

00:11:56: Doch es gibt eine dritte Möglichkeit und die wird selten gesehen weil sich auf den ersten Blick nach ziemlich wenig aussieht.

00:12:05: Du kannst bleiben und aufhören so zu bleiben wie bisher.

00:12:11: Das ist keine Vertröstung oder keine Verlängerung des Zustandes, in dem du gerade steckst.

00:12:17: Es ist etwas anderes und der Unterschied liegt in einem einzigen Punkt – das alte Bleiben passiert in dir!

00:12:27: Es passiert jeden Morgen aufs Neue weil du müde bist, weil die Kinder Frühstück brauchen, weil heute wirklich kein guter Tag für so ein Gespräch ist.

00:12:36: Du entscheidest dich nicht dafür.

00:12:39: Du landest darin.

00:12:41: Das neue Bleiben wählst du für einen überschaubaren Zeitraum.

00:12:47: Mit einer Bedingung, dass sich in dieser Zeit tatsächlich etwas bewegt.

00:12:54: Dass die Dinge, die seit Jahren zwischen euch liegen auf den Tisch kommen.

00:12:58: Dass dein Partner überhaupt weiß worum es geht und wenn sich in der Zeit nichts bewegt hast Du am Ende etwas in der Hand das Du vorher nicht hattest.

00:13:08: eine Antwort die auf Erfahrung beruht und nicht auf Vermutung.

00:13:14: Das ist der eigentliche Wert dieser dritten Möglichkeit!

00:13:17: Sie nimmt dir die Entscheidung nicht ab, sie sorgt dafür dass du sie auf einem Boden triffst, der dich in fünf Jahren noch trägt.

00:13:26: Was ich in meiner Arbeit sehe Die Trennungen die später bereut werden sind fast immer aus dem Zustand heraus entschieden worden indem längst keiner mehr geredet hat Und die Beziehungen, die nach zwanzig Jahren noch etwas taugen hatten irgendwann diesen einen Punkt an dem jemand den Mut hatte alles auf den Tisch zu legen.

00:13:50: Und damit sind wir wieder bei der Frage, die mich am meisten interessiert – was hast du über das Bleiben gelernt lange bevor du eine eigene Beziehung hattest?

00:14:03: Es gibt zwei Erbschaften und beide arbeiten heute in dir!

00:14:06: Die eine kommt aus Häusern, in denen zusammengeblieben wurde.

00:14:10: Ganz gleich wie es aussah.

00:14:12: Deine Großmutter hat nicht gefragt ob sie glücklich ist?

00:14:16: Die Frage war nicht vorgesehen.

00:14:18: Es wurde durchgehalten weil es sich so gehörte Weil die Kinder da waren, weil Geld fehlte, weil die Nachbarn zuschauten Weil die Generation so war.

00:14:29: Wenn du aus dieser Linie kommst sitzt in dir ein sehr alter Satz Bei uns geht keiner Und jeder Gedanke ans Gehen fühlt sich für Dich nach Verrat an, obwohl niemand mehr lebt den Du verraten könntest.

00:14:47: Die andere Erbschaft kommt aus Häusern in denen es zerbrochen ist.

00:14:51: Vielleicht warst du acht als dein Vater ausgezogen ist?

00:14:54: Vielleicht hast Du erlebt wie Deine Mutter danach jahrelang gekämpft hat.

00:14:59: Wenn Du aus dieser Linie kommst sitzt in Dir ein anderer Satz – bei uns hält nichts!

00:15:05: Und du hältst in deiner eigenen Beziehung manchmal an Dingen fest, die längst nicht mehr tragen weil dieses Kind in dir bloß nicht dasselbe erleben möchte.

00:15:17: Es gibt eine dritte Variante über die kaum gesprochen wird – Häuser, in denen zusammengeblieben wurde während alle spürten das dann nichts mehr ist.

00:15:27: Kein Streit keine Trennung ein sehr langer Waffenstillstand mit gedecktem Tisch.

00:15:35: Wenn du daraus kommst, kennst Du beides.

00:15:38: Die Angst vorm Gehen und die Angst so zu enden wie die zwei am Küchentisch Deiner

00:15:44: Kindheit.".

00:15:45: Dieses Kind hat sich damals etwas geschworen – und dieser Schwur redet heute mit an jedem Abend, an dem es bei Euch still wird!

00:15:56: Beide Sätze treffen keine Aussage über Deine heutige Beziehung.

00:16:00: Beide beeinflussen die Antwort trotzdem massiv und mehr noch sie beeinflussten, ob du die Frage überhaupt stellen darfst.

00:16:10: Ich habe bis hierhin von einer Beziehung gesprochen in der zwei Menschen sich schwer tun.

00:16:15: Für manches gilt das nicht.

00:16:18: Wenn du Angst vor deinem Partner hast wenn dir körperlich wehgetan wird wenn Du seit Jahren hörst dass du zu dumm so hässlich zu viel bist und es inzwischen selbst glaubst Wenn Alkohol oder eine andere Sucht das zu Hause regiert, dann geht es nicht um Ambivalenz und auch nicht um Geduldiges Hinschauen.

00:16:38: Dann geht es um deinen Schutz – und der hat Vorrang vor jeder Beziehungsarbeit!

00:16:44: Hol dir bitte in diesem Fall unbedingt Unterstützung von außen.

00:16:48: Am besten heute noch.

00:16:49: Die Adressen dazu findest du in den Show-Notes.

00:17:00: Sie ist unbequem und sie führt weiter als jede Proenkontrallista.

00:17:05: Weißt dein Partner wie ernst steht?

00:17:10: Denk kurz darüber nach, nicht ob er ahnt das es schwierig ist sondern ob er weiß dass du über das Gehen nachdenkst.

00:17:21: In den meisten Fällen weiss er es nicht.

00:17:24: Er weiß dass ihr eine anstrengende Zeit habt.

00:17:27: Er denkt das gehört dazu noch fünfzehn Jahren Und solange er das denkt bekommt er keine Gelegenheit, sich zu bewegen.

00:17:36: Er verteidigt einen Zustand von dem er annimmt, dass er halbwegs in Ordnung

00:17:41: ist.".

00:17:44: Ich habe erlebt wie Männer in dieser Sekunde grau im Gesicht wurden und ich habe erlebt, wie sich danach Dinge in Bewegung setzten, von denen die Frau überzeugt gewesen war, dass sie unmöglich sind.

00:17:58: Was danach kommt, ist nicht garantiert.

00:18:01: Manchmal stellt sich heraus das tatsächlich zu viel kaputt ist.

00:18:05: Aber du entscheidest dann über das, was ist und über etwas, dass dein Partner nie mitentscheiden durfte.

00:18:16: Vielleicht hörst du gerade zu und bist der andere, der über den entschieden wird ohne dass er davon weiß?

00:18:23: Ich sage dir ehrlich, was mir in diesen Gesprächen begegnet.

00:18:27: Männer die gelernt haben, dass Zuwendung übers Machen läuft!

00:18:31: Du hast das Dach abbezahlt Du bist zu jedem Turnier gefahren und auch im Regen, auch Sonntags um sieben.

00:18:38: Du hast dir vor drei Jahren den Rücken kaputtgemacht und bist trotzdem am Montag wieder

00:18:43: los.".

00:18:44: Das war deine Sprache für Ich Bin Da!

00:18:48: Und die hat nie jemand gesagt dass sie in einer anderen Sprache antwortet.

00:18:54: Wenn dann der Satz fällt ist die erste Reaktion selten trauer.

00:18:59: Die erste Reakktion ist Wut.

00:19:01: Wieso sagst du mir das erst jetzt?

00:19:04: Ich habe doch alles gemacht.

00:19:07: Darunter liegt das eigentlich

00:19:09: schwerer.".

00:19:11: Er hat es nicht gesehen und erahnt in dieser Sekunde, dass ihm über Jahre hinweg noch einiges mehr entgangen ist.

00:19:19: Wenn du das bist... Das ist keine Anklage an dich!

00:19:23: Die hat auch niemand gezeigt wie das geht.

00:19:25: Deinem Vater hatte es keiner gezeigt weil es seinem Vater auch keiner gezeigt hat.

00:19:30: Da läuft eine Kette durch die Generation um.

00:19:32: du stehst gerade am Ende und hältst sie in der Hand.

00:19:38: Die Bewegung beginnt hiermit etwas sehr kleinem, mit einer Frage deren Antwort du wirklich hören willst – wie geht es dir mit uns?

00:19:48: Ehrlich!

00:19:52: Und dann hältst Du aus was kommt ohne Dich zu verteidigen?

00:19:57: zwei Minuten lang.

00:19:59: Das ist mehr Arbeit als das klingt und es verändert an manchen Küchentischen mehr als ein ganzes Wochenende zu zweit Ein Paar, das ich nicht vergesse.

00:20:14: Sie kam allein zu mir – einen Termin zur Orientierung wie sie sagte.

00:20:18: Sie hatte die Trennung im Kopf durchgerechnet bis hin zur Wohnungsgröße.

00:20:22: Ich habe sie gefragt ob ihr Mann davon weiß?

00:20:24: Sie sagte … Der hat keine Ahnung!

00:20:28: Es hat zwei Monate gedauert bis sie es ihm gesagt hatte.

00:20:32: Danach kamen sie zu zweit und die ersten Sitzungen waren schwer.

00:20:37: Er war verletzt.

00:20:39: Sie war erschöpft.

00:20:40: Beide waren wütend über Jahre, in denen viel nicht besprochen wurde.

00:20:46: Was diese beiden getragen hat war kein Konzept.

00:20:50: Es war eine Sache die er ungefähr in der fünften Sitzung sagte.

00:20:54: Er sagte Ich habe gedacht wir haben Zeit und in dem Moment hab ich verstanden worin ihr eigentliches Problem stand.

00:21:05: beide hatten geglaubt es gebe später noch die Gelegenheit für das was zwischen ihnen fehlte.

00:21:13: Sie sind heute zusammen und ihre Beziehung sieht anders aus als vorher.

00:21:18: Ich erzähle das nicht als Versprechen, denn ich denke an ein anderes Paar bei dem es anders ausgegangen ist.

00:21:25: Auch da hat sie irgendwann gesagt wie ernst es steht.

00:21:28: auch da hat er zugehört.

00:21:30: Sie haben knapp ein Jahr miteinander gearbeitet und es gab Sitzungen in denen ich dachte wow!

00:21:36: Das trägt wieder.

00:21:38: doch am Ende saßen die beiden mir gegenüber und sagten Doch am Ende saßen die beiden ihr Gegenüber und sagten fast den selben Satz.

00:21:47: Sie sagten, okay wir haben es versucht aber das hat nicht funktioniert.

00:21:54: Sie haben sich getrennt ohne Schlammschlacht, ohne Anwaltsbriefe, die drei Jahre nachhallen.

00:21:59: Die Kinder haben heute zwei Zuhause in denen über den jeweils anderen anständig gesprochen wird.

00:22:05: Er hat mir später erzählt dass er der schwerste Sommer seines Lebens gewesen Und der erste seit langem indem er wusste woran er ist.

00:22:15: Auch das kann ein Ergebnis sein, dass beide Menschen weiterleben lässt.

00:22:20: Das Ziel meiner Arbeit ist nie, dass ein Paar um jeden Preis zusammenbleibt – das Ziel ist, dass die beiden wissen worüber sie entscheiden!

00:22:31: Der Unterschied lag jedes Mal genau da.

00:22:37: Wenn du diese Frage gerade mit dir rumträgst, dann trägst du sie wahrscheinlich schon länger als du zugibst und wahrscheinlich weißt niemand davon.

00:22:45: Der erste Schritt ist selten die Entscheidung.

00:22:48: Der erste Schritt ist, dass die Frage aufhört ein Geheimnis zu sein.

00:22:53: Ob du sie deinem Partner sagst?

00:22:55: Einer Freundin oder jemandem von außen ist zweitrangig.

00:22:58: Wichtig ist das ihr den Raum in deinem Kopf verlässt indem Sie seit zwei Jahren im Kreis läuft.

00:23:05: Wenn Du magst sprich mit mir darüber.

00:23:07: Ein erstes Telefonat, fünfzehn Minuten kostenfrei und ohne dass Du Dich danach zu irgendwas verpflichtest.

00:23:13: Es geht dabei um keine Entscheidung.

00:23:15: Es geht darum, dass du den Satz einmal aussprichst und jemand ihn hört.

00:23:20: Den Link findest Du wie gewohnt in den Shownotes!

00:23:24: Ich freue mich wenn du in zwei Wochen wieder mit dabei bist.

00:23:27: Achte auf dich, sei nachsichtig mit dir und vor allem um dir selbst.

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